Wie entsteht eine Orgelpfeife?
Besuch bei der Orgelbaufirma Sauer & Heinemann in Höxter
Es hat ein bisschen Ähnlichkeiten mit der "Sendung mit der Maus", wenn Heinz Schlüter mit viel Herzblut zeigt und erklärt, wie er aus flüssigem Metall über viele Arbeitsschritte eine Orgelpfeife fertigt.
Eine Gruppe von interessierten Menschen aus unserer Pfarrgemeinde hatte sich auf den Weg nach Höxter-Ottbergen gemacht, um sich bei der Orgelbaufirma Sauer & Heinemann umzuschauen. Dort lagert zurzeit unsere Orgel - die Orgel, die bislang in der Kirche St. Michael in Nordstemmen ihren Platz hatte, und die künftig in der neu gestalteten Heilig-Geist-Kirche erklingen wird. Große, kleine und allerkleinste Teile fanden sich in Regalen und auf Ablagen in den verschiedenen Werkstatt-Räumen - wie faszinierend, dass in wenigen Wochen alles wieder zu einer Orgel zusammengefügt werden wird!
Sebastian Sauer und Thomas Heinemann führten uns durch die verschiedenen Bereiche der Werkstatt. Im vorderen Teil entdeckten wir die äußeren Holzelemente unserer Orgel, diese wurden bereits weiß lasiert, um sich besser in die Farbgebung der Heilig-Geist-Kirche einzufügen. Die Farbgebung der Ornamente des Schleierbretts war von der Architektin ebenfalls in einer neuen Farbgebung in Blautönen angedacht; nach einem eindeutigen Votum der Anwesenden sollen allerdings die alten Farben Rot und Gold erhalten bleiben.
Heinz Schlüter demonstrierte dann den praktischen Teil. Aus einem großen Kessel schöpfte er eine flüssige Zinn-Blei-Legierung in eine Art "Lore", von der aus die flüssige Masse über eine lange Holzbahn ausgegossen wurde und dort langsam erkaltete und fest wurde. Jahrzentelange Erfahrung steckt in diesem Verfahren; ein Thermometer für die heiße Flüsigkeit im Kessel ist nicht nötig, denn die Temperatur hat Herr Schlüter wie eine gute Hausfrau (frei nach Loriot) "im Gefühl". Die so entstandene Metallplatte wird auf eine riesige (einhundert Jahre alten) Walze aufgezogen und gehobelt, daraus werden dann später die Rohlinge für Orgelpfeifen in den verschiedensten Größen ausgeschnitten, über Holzformen gerundet, der Ausschnitt für das Labium geschnitten, die Nahtstelle gelötet und fein versäubert.
Im Nachbarraum demonstrierte Thomas Sauer, wie die Orgelpfeifen intoniert werden. Es gab Informatives zu Labial- und Lingualpfeifen und noch einiges an Fachvokabular, das hauptsächlich unsere beiden Organisten Thomas Moock und Markus Kappmeyer mit großem Interesse aufnahmen. Für die restlichen Interessierten blieb es an vielen Stellen bei großem Staunen, wie viele Arbeitsschritte der (Wieder-)Aufbau einer solchen Orgel erfordert.
Ab dem 6. Oktober beginnt in Sarstedt der Aufbau unserer Orgel durch die Firma Sauer & Heinemann - wir sind schon sehr gespannt und freuen uns auf die Klänge unserer alten Orgel am neuen Ort!
Text: Ute Köhler
Fotos: Hans Potthast







































