Wehmut, Lachen und viel Musik

The Last Night of St. Michael

Was für ein Abend!

Das Kirchortteam Nordstemmen hatte zur "Last Night of St. Michael" geladen, viele waren gekommen und erlebten ein wunderbares Konzert. 

Nach der Profanierung im letzten November hatte sich die Kirche St. Michael nach und nach geleert. Viele Einrichtungsgegenstände dürfen aber "weiterleben" und haben einen neuen Platz gefunden - entweder in der Nähe bei Gemeindemitgliedern oder auch weit entfernt. So sind die Kirchenbänke in einer Kirche in Gogolin in Polen gelandet, die Marienstatue in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern, die Liedanzeige in Italien und der Hl. Josef in Lissabon. Auch die Orgel ist schon größtenteils abgebaut, sie wird in der Heilig-Geist-Kirche in Sarstedt neu erklingen. Auf einer Europakarte konnte diese Ausbreitung bestaunt werden. "Das hat etwas sehr Tröstliches", meinte Gemeindemitglied Christine Hoffmann. "Es ist fast wie bei einer Organtransplantation - man ist traurig, dass etwas zu Ende geht, weiß aber, dass es woanders jemandem zugute kommt."

Um nun auch das inzwischen leere Kirchengebäude gebührend zu verabschieden, war die Idee eines letzten großen Konzertes entstanden. Analog zur "Last Night of the Proms" in London, dem Abschlusskonzert der Promenadenkonzerte, wurde in Nordstemmen die "Last Night of St. Michael" gefeiert.

"Musik war und ist immer ein wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens", so begrüßten die Moderatoren des Abends, Barbara Scholz und Peter Abel, das Publikum und die Mitwirkenden. "Das wollen wir heute noch einmal auskosten und feiern!". Weit über einhundert Menschen waren in die Kirche gekommen und hatten auf den Pfarrheim-Stühlen, auf Bierzeltbänken, Papphockern oder Camping-Klappstühlen Platz gefunden. Nach nach erklang aus den verschiedenen Ecken der Kirche Musik und mehr. Dazu gehörten die Flötengruppe ImTakt und der ökumenische Nordstemmer Kirchenchor - beide unter der Leitung von Maria Büsing, die Kreuz&Quer-Band, Laura Hollah an der Querflöte und Thomas Möller am Klavier, der Sarstedter Spontanchor und Ariane Stepen, die mit ihrem Gesang einige der Flötenstücke bereicherte. Bettina Gehrz, die frühere Gemeindereferentin erzählte davon, welche Erinnerungen sie an die Kirche und die Gemeinde hat, und nahm dadurch viele langjährige Gemeindemitglieder mit auf eine kleine Zeitreise. Und dann hatte auch die Improtheatergruppe High Five, zu der die Nordstemmerin Ulla Emanuel gehört, ihren Auftritt. Fast ganz ohne Requisiten tauchten sie nach Zuruf von Stichworten aus dem Publikum in verschiedene Szenen ein. 

Das Programm fiel reichhaltiger aus als vorher zeitlich geplant - bis zur Pause vergingen schon zwei Stunden. So wurde die zweite Hälfte spontan etwas eingekürzt, die dann mit dem gemeinsam gesungenen Lied "Nehmt Abschied, Brüder" endete. Hier schloss sich der Kreis zum britischen Vorbild, denn auch die "echte" Last Night endet mit diesem schottischen Lied - im Original "Auld lang syne". Das Licht wurde gedämpft, alle Anwesenden standen im Kreis, die Flötengruppe begeleitete die Melodie - da wurden dann natürlich doch einige Augen feucht.

Ein ganz besonderer Abend mit wunderschöner Musik, mit Wehmut und Lachen ging zu Ende - bei einem Glas Sekt und guten Gesprächen. 

 

Text: Ute Köhler
Fotos: Hans & Tim Potthast