Chronik St. Michael

Zum 25. jährigen Bestehen von St. Michael in Nordstemmen am 30. Januar 1996 wurde von der Pfarrgemeinde eine Festschrift herausgegeben, die das Entstehen und den Werdegang der Pfarrgemeinde darstellt. Für Geschichtsinteressierte werden Inhalte dieser Festschrift wiedergeben.

Initiator und wesentlicher Autor der Festschrift war der langjährige Küster und Organist Karl Kirsch, der damals das alte Pfarrhaus der Poppenburg bewohnte. Die Umsetzung für den Druck wurde durch Matthias Pollok vorgenommen, der nun auch die Inhalte für unseren Internet-Auftritt zur Verfügung stellte.

Viel Spaß beim Stöbern.

1. Ein Wort zuvor - von Pfarrer Malich

Liebe Gemeinde!

In der vorliegenden Festschrift, für die wir Herrn Karl Kirsch als Verfasser gewinnen konnten, wird die 25jährige Geschichte unserer Kirche und Gemeinde, herauskommend von St. Joseph Poppenburg zur Gemeinde St. Michael Nordstemmen, in wesentlichen Zügen festgehalten.

Das Haus aus Stein ist nur ein Bild für das geistige Haus. Im 1. Petrusbrief lesen wir: „Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen“ (1. Petr. 2,5).

Drei Dinge sind sowohl für den Aufbau des Hauses aus Stein als auch für die Errichtung des geistigen Hauses notwendig: das Fundament, die tragenden Säulen und die mittragenden Wände.

Der Eckstein und das Fundament, auf dem die Kirche steht, ist und bleibt Jesus Christus. Sind es heute nicht viele, die am Wort Christi, an seinen Forderungen Anstoß nehmen ? Sind wir nicht alle in Gefahr, sein Wort und seinen Willen nach unserem Zeitgeschmack zurechtzubiegen ?

Außer dem Fundament sind es die Säulen und Pfeiler, die den ganzen Bau stützen. Christus hat die zwölf Apostel als Säulen seiner Kirche erwählt und gesagt: „Wer euch hört, der hört mich“ (Lk. 10,16). Und von Anfang an galt: „Wo Petrus, wo die Apostel, da ist Kirche.“ Gemeinde Jesu Christi können wir nur sein, wenn wir Gemeinschaft haben mit den Nachfolgern der Apostel und des Petrus, mit unserem Bischof, mit den Bischöfen der Welt, mit dem Papst.

Und ein Drittes ist notwendig, um ein Gotteshaus zu vollenden: da sind die mittragenden Wände, die Fenster, Steine und das Holz. Farbe und vieles mehr macht erst das Gotteshaus lebendig. Das gleiche gilt auch für den Aufbau der Gemeinde.

Im zweiten Bernwardsbrief schreibt unser Bischof: „Alle sind von Gott berufen, die Gemeinschaft der Glaubenden zu bilden und das Leben zu teilen. Alle sind von Gott gerufen Kirche zu sein und - an der neuen Art Kirche zu sein, verantwortlich mitzuarbeiten.“

In Dankbarkeit gedenken wir aller Mitglieder unserer Pfarrgemeinde, die vor 25 Jahren mutig den Neuanfang gewagt haben, Dank den Seelsorgern dieser Gemeinde, Dank den Frauen und Männern, den Jugendlichen für ihr Zeugnis zu Christus und seiner Kirche.

Nehmen wir darum das Geschenk der 25 Jahre als Vermächtnis und als Auftrag an, auch in Zukunft an unserer Kirche, an unserer Pfarrgemeinde St. Michael weiterzubauen,

Ihr Pfarrer

Josef Malich

2. Liebe St. Michaels-Kirche - ein Glückwunsch des Küster-Ehepaares Kirsch

Liebe St. Michaels-Kirche!

In diesem Jahr begehst Du einen ganz besonderen Geburtstag: Du wirst 25 Jahre alt. Für uns, Deine Gemeinde, ein Anlaß, fröhlich zu feiern. Über das ganze Jahr verteilt finden Gottesdienste und Veran­staltungen statt. Die meisten stellen Dich direkt in den Mittelpunkt. 

Mit den Geburtstagsgeschenken ist es recht schwer. Ein Geschenk ist, daß wir uns an Deinem Weihetag bei Dir versammeln, um mit Dir Gott zu danken. Wir werden auch bei Dir ein fröhliches Sommerfest feiern, eine tolle Geburtstagsfete mit Kinderspielen und Musik, mit gutem Essen und viel Fröhlichkeit.

Es sind dann viele Besucher hier, Deine Geburtstagsgäste, die Deinetwegen angereist sind. Sicher wirst Du unter den Gästen viele „Ehemalige“ erkennen. Aus den neuen Siedlungsgebieten des Dorfes lernst Du neue Freunde kennen. Deshalb feiern wir auch direkt um Dich herum.

Bei uns Menschen ist es üblich, daß man bei einem Jubiläum Rückschau hält. Erinnerungen werden wach, man kramt sie aus der hintersten Ecke hervor und fragt: „Weißt Du noch?“ Viele von uns waren bei „Deiner Geburt“ dabei, haben Dich wachsen sehen, bis Du Deine stattliche Größe erreicht hast. Erinnerst Du Dich noch daran, wie Du ganz klein als Grundstein angefangen hast?

Damals sah es um Dich herum noch ganz anders aus. Auf gutes Ackerland hat man Dich gebaut, mit freiem Blick. Heute bist Du von schmucken Häusern umgeben. Eine breite Straße führt zu Dir. Aber Du bist der Mittelpunkt der Siedlung „Im Schratfeld“ geworden. Mit Deinen 25 Jahres stehst Du jetzt im besten Mannesalter - oder im attraktiven Alter einer Frau.

Mit uns, Deiner Gemeinde, hattest Du viele Erlebnisse, angefangen bei Deiner Weihe im Jahr 1971 durch den damaligen Bischof Heinrich Maria Janssen.

Viele, die damals den ersten Gottesdienst mit Dir gefeiert haben, sind inzwischen verstorben. Eine neue Generation ist herangewachsen, und viele Gemeindemitglieder sind zugezogen. Heute wie damals kommen die Menschen zu Dir, glücklich oder traurig.

Die Gottesdienste sind für Dich sicherlich alltägliche Routine, aber an Feierlichkeiten kannst Du Dich bestimmt erinnern. Am schönsten sind die fröhlichen Feiern. Wie viele Hochzeiten hast Du schon miterlebt, hast Dich über Taufen, Erstkommunionfeiern und Firmungen gefreut? Die bunten Nachmittage am Fronleichnamstag und die Jubiläen der Vereine und Gruppen dürfen wir auch nicht vergessen. Oft wurde - und wird auch in Zukunft - in Deinem Garten weitergefeiert.

Und wieviel Tragisches mußtest Du miterleben, wieviel Trauer, Verzweiflung und Enttäuschung. Der Tod riß den ersten Pfarrer so früh aus unserer Mitte. Warum so früh?

Aber Du mußt es ertragen, daß die unzähligen Beter ihre Sorgen und Nöte zu Dir tragen und sich in Deinen Bänken Trost und Hilfe erhoffen.

Wir brauchen und wir lieben Dich. Bei Dir finden wir Ruhe, spüren Gottes Nähe. Zu Dir können wir kommen mit unserer Freude und unserem Dank, mit Enttäuschungen und Sorgen. Im Gottesdienst können wir, Deine Gemeinde, Gott loben und zu ihm beten, weil wir uns bei Dir treffen dürfen.

Liebe St. Michaels-Kirche, wir wünschen Dir von ganzem Herzen, daß Du noch viele Generationen von Christen in Nordstemmen erleben wirst, die Dich als ihre Kirche, ihr Gotteshaus, schätzen lernen,

Deine Küsterfamilie

Anneliese und Karl Kirsch

3. Ein Rückblick: Die Amtspfarrei Poppenburg

Die Amtspfarrei Poppenburg

Die Geschichte der katholischen Kirche im Raum Nordstemmen ist auf das Engste verknüpft mit der Geschichte der Poppenburg. Bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts bildete die Leine für weite Strecken die Grenze zwischen dem Bistum Hildesheim und dem Herzogtum Calenberg.

Der politische Ausgang der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 - 1523) veränderte die Grenzen des Bistums. Die Herzöge von Wolfenbüttel und Calenberg konnten den größten Teil des Hochstiftes Hildesheim in ihren Besitz bringen. Das Amt Poppenburg fiel an Herzog Erich I. von Calenberg und blieb über hundert Jahre in welfischen Besitz.

Nach dem Tode Erichs I. übernahm die Herzogin Elisabeth von 1540 - 1546 die Regentschaft für ihren noch unmündigen Sohn Erich II. Elisabeth bekannte sich zur evangelischen Lehre, rief den hessischen Pfarrer Antonius Corvinus in ihr Land und ernannte ihn zum Superintendenten von Pattensen.

Corvinus arbeitete die Evangelischen Kirchenordnungen für die Städte Northeim und Hildesheim sowie 1542 für das Herzogtum Calenberg aus. Auf Anordnung der Herzogin Elisabeth unternahm Corvinus 1542/43 eine Visitationsreise durch das Land. Er besuchte die Städte, Klöster und Dörfer, ordnete die Vermögensverhältnisse der Pfarrkirchen, lehrte und ermahnte die Pastoren zur Beachtung der neuen Kirchenordnung.

Während die Städte selbständig die Reformation einführten, besaß die Dorfbevölkerung keinerlei Entscheidungsfreiheit. Die Dörfer unterstanden dem Amtmann, der seinem Landesherrn Rechenschaft schuldete. So vollzog sich die Reformation auf dem Lande auf Anordnung der weltlichen Obrigkeit. Die bisherigen katholischen Pastoren fügten sich den Anordnungen der Obrigkeit. Das katholische Leben im Amtsbezirk Poppenburg erlosch.

Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges trat eine Veränderung ein, die weitreichende Folgen für die Bevölkerung mit sich brachte.

Dem Bischof von Hildesheim wurden 1629 durch Urteil des Reichskammergerichtes die in der Stiftsfehde entrissenen Ämter wieder zugesprochen. Das Amt Poppenburg kam aus calenbergischen Besitz in das Fürstentum Hildesheim zurück.

Unverzüglich bildete die stiftshildesheimische Regierung drei Kommissionen, die die Besitznahme des Landes vornahmen. Am 9. Januar 1630 reiste eine Kommission von Hildesheim über Gronau zur Poppenburg. Der evangelische Amtmann Johann Rodtschröder wurde abgesetzt, und der aus Köln stammende katholische Amtmann Johann Vorst übernahm die Amtmannsstelle. Mit dem Wechsel der Landeshoheit bahnte sich auch der Versuch eines Religionswechsels an. Der evangelische Pastor Jacob Schwan mußte 1630 sein Pfarrhaus in Burgstemmen verlassen. Den Nordstemmer Pastor Johannes Jahns traf das gleiche Schicksal. Der Hildesheimer Priester Rupertus Citius übernahm als neuer katholischer Pastor die Pfarren in Burgstemmen und Nordstemmen.

Beim Einrücken der schwedischen und der Braunschweiger Truppen flohen Johann Vorst und der katholische Pastor Citius nach Hildesheim, um sich hinter den schützenden Mauern der Stad